Von Willi Daume, damaliger Präsident des Nationalen Olympischen Komitees:

"Meine Vorstellung zu den Olympischen Spielen von München fasste ich bekanntlich unter dem Begriff "Heitere Spiele" zusammen. Damit hatten wir zunächst eine Flut von Ironie und mehr oder weniger gewollten Missverständnissen hervorgerufen.

Als dann aber München im August 1972 Festschmuck anlegte, als die schwungvoll-heitere und die Herzen bewegende Eröffnungsfeier als Ouvertüre der Spiele unsere Vorstellungen sichtbar machte, da war sie plötzlich da, diese aus der Tiefe kommende Heiterkeit, das olympische Fest, in dem das Spiel gleichberechtigt neben der Leistung und den Resultaten stand. Nie zuvor hatte es Vergleichbares gegeben.

Zum Festlichen gehört natürlich der Besucher, seine Stimmung, seine Fairness. So entstand die unvergleichbare Stimmung in den Sportstätten. Das Münchner Publikum und seine Gäste wurden im Jahr nach den Olympischen Spielen vom IOC als fairstes der Welt bezeichnet und mit der höchsten olympischen Auszeichnung, dem Cup Olympique, geehrt. Bezüglich des Kulturprogramms hatten wir den Gedanken, dass eine Bitte an die Völker der Erde, sich im Rahmen des Weltfestes auch durch künstlerische Beiträge zu präsentieren, den Charakter des harten Kampfes in den Stadien, der ja sein muss, sublimieren sollte. Nationen, die sportlich nicht oder noch nicht den höchsten internationalen Leistungsstandard erreichten, kulturell dagegen Bedeutendes vorzuzeigen hatten, sollten dadurch aufgewertet werden. Dieser Gedanke hat sich weitgehend verwirklichen lassen und uns endlichen viel Sympathie eingebracht. Ob es sich um bedeutende musikalische Darbietungen der berühmtesten Orchester und Solisten oder Theater der Welt handelte, um Folklore, um das Jazz-Festival, um experimentelle Musik, um die Spielstraße im Olympiapark mit ihren Straßentheatern, audio-visuelle Darbietungen und Diskussionen - überall wetteiferten Künstlergruppen und Jugend, sich und ihr Land darzustellen.

Die so geschaffene Tradition ist erfreulicherweise bis heute im Olympiapark aufrechterhalten worden, insbesondere am Theatron. Das kulturelle Programm hatte zumindest unterschwellig das Medaillenfieber abgekühlt und den Charakter eines völkerverbindenden Festes unterstrichen".