Olympische Spiele 1972

1966 vergab das Internationale Olympische Komitee die Olympischen Spiele 1972 nach München - in eine Stadt, die bis dahin keine großen Sportbauten besaß.

Vorhanden dafür war nur der Platz: das Oberwiesenfeld, ein tristes, flaches Brachland von drei Quadratkilometern, vier Kilometer von der Stadtmitte entfernt. Einst exerzierten hier Einheiten der königlich-bayerischen Armee; später diente das Gelände als Münchens erster Verkehrs- und Sportflugplatz, nach 1945 wurde im südlichen Randbereich des Oberwiesenfelds ein 1.300 Meter langer und bis zu 60 Meter hoher Hügel aus einem Teil des Bombenschutts aufgeschüttet, den die 66 Luftangriffe auf München im Zweiten Weltkrieg hinterlassen hatten.

In sechs Jahren entstand hier, zu Füßen des 290 Meter hohen Olympiaturms, der Olympiapark - ein Ensemble moderner Stadien und Sporthallen, das Olympische Dorf, die Pressestadt und das Pressezentrum. Die Bauten sind eingebettet in eine künstliche Landschaft mit einem rund 80.000 Quadratmeter großen See, einem Forum, mit weiten Rasenflächen, Alleen, Baum- und Buschgruppen. Wahrzeichen ist, neben dem Olympiaturm, das fast 75.000 qm große Zeltdach. Leitmotive der Planung waren: Konzentration der Anlagen in einem großen olympischen Komplex ("Olympische Spiele der kurzen Wege"), menschliches Maß, Leichtigkeit, kühne Eleganz, die Einheit von Landschaft und Architektur ("Olympische Spiele im Grünen") und die Möglichkeit, die Anlagen auch nach den Spielen auf die Dauer sinnvoll zu nutzen.

Das Grundkonzept der Gestaltung wurde in einem nationalen Architekten-Wettbewerb im Herbst 1967 ermittelt. Preisgekrönt und in den folgenden Jahren auch verwirklicht wurde das Projekt der Architekten Günter Behnisch und Partner aus Stuttgart, von denen auch die Idee des Zeltdachs stammt, das unterdessen als gestalterische und technische Pionierleistung zu einem Bestandteil der Welt-Architektur wurde.Ausgehend von dem Gedanken, dass mit dem Schuttberg - dem heutigen Olympiaberg - bereits ein Stück künstlicher Landschaft existierte, entwickelten sie das Prinzip, am Fuß des langgestreckten Hügels ein Seebecken auszuheben und das im übrigen völlig ebene Gelände mit Aufschüttungen und Dämmen zu einer vielgestaltigen Parklandschaft zu modellieren, in die die Stadien, Hallen und Wohnbauten eingebettet wurden. Die Landschaftsgestaltung lag dabei in Händen von Professor Grzimek aus Kassel, im übrigen ein Bruder des bekannten Tierforschers Professor Bernhard Grzimek.Die Gesamtkosten der Olympischen Spiele betrugen rund 1.940 Millionen DM, wovon rund 1.350 Millionen auf Investitionen in München entfielen. Diese Investitionen umfassten nicht nur die Sportbauten auf dem Oberwiesenfeld und die landschaftliche Gestaltung, sondern auch die Verkehrserschließung, die Olympia-Regattastrecke in Oberschleißheim, die Schießanlage in Hochbrück, die Basketballhalle (Rudi-Sedlmayer-Halle) an der Siegenburgerstraße, den Aus- bzw. Neubau von Hallen im Messegelände, die Reitanlage in Riem und die Kanu-Slalom-Anlage in Augsburg. Weitere rund 90 Millionen kostete der Bau des Seglerzentrums in Kiel. Für die Organisation der Spiele mussten 502 Millionen DM aufgewendet werden.Von der Gesamtsumme konnten rund zwei Drittel durch Einnahmen des Organisationskomitees, durch den Verkauf der Olympia-Münzen, durch eine Fernsehlotterie und durch die mit Toto und Lotto kombinierte Olympia-Wette aufgebracht werden. Die restlichen 590 Millionen DM wurden zu 50 Prozent vom Bund und zu je 25 Prozent vom Freistaat Bayern und von der Landeshauptstadt München finanziert.  Da sich diese Belastung auf sechs Jahre verteilte, konnte sogar die Stadt München ihren Anteil jeweils aus dem laufenden Haushalt bestreiten. Einen "olympischen Schuldenberg", von dem in vergangenen Jahren wiederholt die Rede war, hat es niemals gegeben.Die wirtschaftliche Entwicklung des Olympiaparks verlief bisher weitaus günstiger als erwartet. Der Grund: die ungebrochene Attraktivität des Parks und seiner Freizeiteinrichtungen, vor allem aber die Tatsache, dass es einem einfallsreichen Management gelang, weit mehr Veranstaltungen zu gewinnen als ursprünglich erwartet. Obwohl das Preisniveau erheblich gestiegen ist, lagen die durchschnittlichen jährlichen Fehlbeträge bisher unter den Zinserträgen der vom Bund gezahlten 130 Millionen DM. Allerdings wird sich diese Entwicklung nicht dauernd fortsetzen. Mit dem Älterwerden der Bauten wird der Unterhaltsaufwand in kommenden Jahren erheblich steigen; zudem sind immer wieder technische Neuerungen, Ergänzungen der Ausstattung und Anpassungen der Anlagen notwendig.Seit dem Ende der Olympischen Spiele 1972 sind im Olympiapark über 8.800 sportliche, kulturelle und kommerzielle Veranstaltungen mit insgesamt über 157 Millionen Besuchern über die Bühne gegangen - von 30 Welt- und 12 Europameisterschaften, 85 deutschen Meisterschaften, Popkonzerten und Shows, Faschingsbällen und Zirkusgastspielen, Ballett-Aufführungen und Folklore-Veranstaltungen bis zu Ausstellungen und Kongressen. Zum Freizeitsport, zu Besichtigungen und Führungen kamen im gleichen Zeitraum rund 70 Millionen. Hinzu kommen täglich bis zu 2.000 trainierende Sportler und ungezählte Spaziergänger, allein an schönen Wochenenden bis zu 30.000.Der Münchner Olympiapark hat sich damit zum größten Veranstaltungs- und Freizeitzentrum Europas entwickelt. Ein Fernsehkommentator bezeichnete ihn einmal als "das Jahrhundertgeschenk an München". Tatsächlich ist München in der Geschichte der Olympischen Spiele der Neuzeit bisher die einzige Stadt, die mit der dauernden Nutzung olympischer Anlagen positive Erfahrungen macht. Der Park ist zu einer dauernden Bereicherung des Gemeinschaftslebens der Stadt geworden; er ist darüber hinaus in seiner einmaligen architektonischen Gestaltung das Wahrzeichen des modernen München, das die berühmten Bauten aus vergangenen Jahrhunderten auf glückliche Weise ergänzt.