Münchner Weitblick

„Münchner Weitblick“ heißt die neue Veranstaltungsreihe der Olympiapark München GmbH, welche sich großen Herausforderungen unserer Zeit widmet. Dafür werden Impulsgeber:innen und Weichensteller:innen zusammengebracht, um gemeinsam ein Bewusstsein für die wichtigsten Aufgaben zu schaffen und interaktiv Handlungsspielräume und Wirkungszusammenhänge aufzuzeigen.

Schon heute trägt die Olympiapark München GmbH als Teil der Stadtgesellschaft zur Lösung einiger aktueller Herausforderungen unserer Gesellschaft bei. Etwa, indem sie gesundheitsfördernde Aktivitäten schafft oder sie Bürger:innen bei kulturellen und sportlichen Events verschiedenster Art zusammenbringt. Über diese Grundaufgaben hinaus möchte der Olympiapark einen Blick aus dem Heute in die Zukunft werfen und eine produktive Plattform für den Austausch zu den drängendsten Themen dieser Stadt bieten.

Die neue Reihe wird organisiert von der Olympiapark München GmbH in Kooperation mit „72.22 – Netzwerk für eine lebenswerte Stadt“ und begleitet von „TUM Think Tank – Hochschule für Politik München“. Ab 2023 stehen drei Mal jährlich Herausforderungen der Gegenwart im Fokus, um mit Weitblick multiperspektivische Impulse für ein gesundes, kooperatives und zukunftsfähiges München zu geben. Die Folgeveranstaltungen werden sich den Themen Energie, Fachkräftemangel und Mobilität widmen.

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Auftaktveranstaltung am 21. November 2022

Wissenschaft und Stadt im Austausch - Mentale Gesundheit in München: Was hat Corona mit unserer Psyche gemacht?

Die Pandemie hat sich auf die mentale Gesundheit der Bürger:innen ausgewirkt: Psychische Erkrankungen nehmen zu. Was kann die Stadt tun, um das zu ändern? Darüber diskutierten Wissenschaftler:innen mit Stadträt:innen, Referatsleitungen, Jugendliche und engagierte Unternehmer:innen sowie das Netzwerk 72.22 beim ersten Münchner Weitblick auf der Zukunftsplattform im Olympiaturm.

„Oberflächlich hat München die zwei Jahre Corona recht gut überstanden“, sagte Martin Felber, Direktor der AOK München. Doch bei näherem Hinsehen hat die Pandemie einige besorgniserregende Spuren hinterlassen, wie er mit Statistiken zur mentalen Gesundheit aufzeigte: So sei die Zahl psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmer:innen seit 2020 spürbar angestiegen; fast die Hälfte aller, die Krankengeld beziehen, hätten inzwischen eine psychische Erst- oder Begleitdiagnose. Besonders ernst ist die Lage bei Jugendlichen: Hier registriert die AOK zweistellige Zuwächse bei Depressionen, Essstörungen treten gar um mehr als 50 Prozent häufiger auf.

Der Impulsvortrag des AOK-Direktors legte die Basis für die Diskussionen und die Suche nach Lösungsansätzen beim ersten Münchner Weitblick. Bei der Auftaktveranstaltung am 21. November lieferten darüber hinaus die Stadtentwicklungs-Professorin Agnes Förster, Professorin für Stadtentwicklung, der Sportdozent und Jugendtrainer Nicolai Kammann sowie Prof. Peter Falkai, Leiter der LMU-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie München drei Perspektiven: „Soziale Kontakte sind unser wichtigstes Lebenselixier“, betonte Prof. Falkai, demzufolge besonders Kinder und Vorerkrankte unter pandemiebedingten Einschränkungen litten. Zudem hielt der Psychiater städtische Räume für elementar, die dem Olympiapark ähneln: „Grün ist gut für die Psyche“, sagte er und fordert mehr Flächen, in denen sich Höhen und Tiefen, Grün und Wasser abwechseln.

Auch Prof. Förster, die an der RWTH Aachen den Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung hält, wies auf Probleme hin, die aus der „Nichtverfügbarkeit von Raum“ während der Pandemie resultierten, als etwa Büros, Bibliotheken, Museen und Restaurants geschlossen blieben. Wenn es um die Erschließung neuer Räume geht, plädiert sie für mehr aktive Bürgerbeteiligung: „Die Menschen sollten nicht nur Konsumenten der Stadt sein, sondern auch mitmachen und selbst Räume gestalten. Vor dem eigenen Haus, im Hinterhof – auf Freiflächen der Stadt”.

Sportdozent und Jugendtrainer Kammann wiederum kritisierte, dass gerade für Jugendliche in München Plätze fehlten, an denen sie skaten oder Fußballspielen können, ohne als Störfaktor zu gelten. „Und manche vorhandenen Freiräume kennen viele Menschen gar nicht“, erklärte er. Zudem fordert Kammann einen Bewusstseinswandel, damit das Großstadtleben gesünder wird: „Es genügt nicht, Flächen anzubieten. Wir brauchen auch mehr Bewegungsoptimismus.“

Ein erster Schritt in diese Richtung deutete sich in der anschließenden Diskussion mit Stadträt:innen und Referatsleitungen an, bei der es unter anderem um Schanigärten, Nutzungskonflikte auf öffentlichen Flächen, konsumfreie Räume und Bewegungsanreize ging. Stadtbaurätin Prof. (Univ. Florenz) Elisabeth Merk wies auf die neue Stadttouren-App „München entdecken“ hin, die das von ihr geleitete Referat für Stadtplanung entwickelt hat: „Vielleicht ließe sich da auch ein Bewegungsspaziergang integrieren.“

Weitere Ideen für ein gesünderes München wurden danach beim sogenannten „Future Synthesizer“ gesammelt. „Lassen Sie uns gemeinsam Zukunftsmusik machen“, beschrieb Prof. Förster das von ihr entwickelte Format, bei dem die Teilnehmenden in Zweier-Teams heute darüber nachdachten, wie der Olympiapark auch im Jahr 2072 ein mobilisierender Raum für ein gesundes und zukunftsfähiges München sein kann – und was dafür schon in den kommenden Jahren getan werden könnte. Mindestens eine der Projektideen wird ab Januar in einem Co-Creation-Prozess mit mehreren Partnern konkretisiert und nachfolgend im Olympiapark umgesetzt.

„Schon die heutige Premiere hat gezeigt, was alles möglich ist, wenn drängende Themen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und gemeinsam bearbeitet werden“, sagte OMG-Geschäftsführerin Marion Schöne nach dem Auftakt.

 

Die Veranstaltungsreihe Münchner Weitblick wird von einem Podcast-Format begleitet. Dieser steht unter folgender URL zum Download bereit. Ein Video vom ersten Event gibt´s auf Youtube. Die Bildergalerie zur Auftaktveranstaltung sehen Sie hier.

 

Der nächste Münchner Weitblick findet am 20. März 2023 zum Thema “Energie” statt.

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Fotos: Luise Aedtner / Süddeutsche Zeitung Photo

Zitate

Prof. Agnes Förster

„Die Pandemie hat auch gezeigt, dass aus der Nichtverfügbarkeit von Raum gesundheitliche Probleme resultieren, weil sehr viel Kommunikation in Büros, Restaurants und ähnlichen Räumen stattfindet.“

„Ein wichtiges Element ist das Mitmachen und Selber bauen. Die Bürger sollten nicht nur Konsumenten der Stadt sein, sondern auch Prosumenten, also selbst Räume produzieren.“

Prof. Peter Falkai „Wir brauchen Räume und Flächen, in der viel Grün, Wasser, Höhen und Tiefen einander abwechseln. Gerade grün ist sehr gut für die Psyche.“

„München muss lebenswerter werden, das heißt vor allem: grüner.“

Nicolai Kamann

„Es genügt nicht, Flächen anzubieten. Wir brauchen auch mehr Bewegungsoptimismus.“ 

„Es ist wichtig, erstmal in Bewegung zu kommen. Dafür reichen schon vier bis fünf Übungen am Tag.“